Sieger bei der ORF-Fernsehsendung „9 Plätze, 9 Schätze“

Formarinsee und Rote zum schönsten Platz Österreichs 2015 gewählt

Die Kombination von Seen und imposanten Bergwänden übt seit jeher eine besondere Faszination auf Menschen aus. Ein solches Ensemble liegt im Vorarlberger Lechquellengebirge: Dort treffen die leuchtend roten Gesteinsschichten der Roten Wand auf das ruhige Wasser des Formarinsees.

Am Ende des Zugertals, inmitten des Lechquellengebirges, liegt auf 1.793 Metern Seehöhe der Formarinsee. Der Hochgebirgssee ist natürlichen Ursprungs – jedes Jahr bildet er sich aufs Neue aus dem anfallenden Schmelzwasser. Seine Abmessungen schwanken darum sehr: In der Regel ist der See 500 Meter lang, bis zu 400 Meter breit und maximal 17 Meter tief. „Formarin“ ist ein vor-deutscher Großflur-Name für eine jahrhundertealte, als Alpgebiet genutzte Kulturlandschaft.

Gleich beim ersten Blick auf den Formarinsee fällt auf, dass der See keinen oberflächlichen Abfluss besitzt. Er entwässert unterirdisch über ein Karsthöhlensystem. Nur ein Teil des Wassers fließt zum Lech und damit in die Donau.

Markierungsversuche in den 1950er Jahren haben eine erstaunliche Tatsache belegt: Nach sechs bis sieben Tagen erreicht das Wasser, das unterirdisch aus dem Formarinsee abfließt, die Quellbäche des Marulbaches im Großen Walsertal. Damit überwindet es unterirdisch – unter der Roten Wand hindurch – die Europäische Wasserscheide. „Es will nicht zur Donau, sondern fließt zum Rhein“, sagt Geologe Georg Friebe.

 

Unberührte Natur zum greifen nah

Erschlossen ist die alpine Landschaft rund um den Formarinsee nur durch eine Mautstraße von Lech aus – an allen anderen drei Seiten ist der See von hohen Bergen umgeben. Die Gipfel in unmittelbarer Umgebung erreichen Höhen jenseits von 2.500 Metern.

Einer dieser Gipfel ist die Rote Wand. Mit ihren 2.704 Metern thront sie über dem Formarinsee und ist damit zwar nur der zweithöchste, aber der eindrucksvollste Gipfel im Lechquellengebirge. Die Rote Wand erhebt sich zwischen der Gemeinde Sonntag-Buchboden (Großes Walsertal) im Norden und Dalaas (Klostertal) im Süden.

Ihr Name kommt nicht von ungefähr: Er bezieht sich auf ein markantes Band aus rotem Kalk, der so genannten „Adnet-Formation“. Diese Gesteinsschicht ist reich an Ammoniten und damit Zeugnis dafür, dass das Gebiet um die Rote Wand vor 145 Millionen Jahren ein tropisches Meer war. Noch heute kann man die versteinerten Gehäuse der Tintenfisch-Verwandten bestaunen.

Mit ihrer perfekten Gesteinsschichtfolge von Mitteltrias bis Kreide – also von rund 100 Millionen Jahren Erdgeschichte – lässt die imposante Südwand aber nicht nur die Herzen von Geologen höher schlagen. Auch auf begabte Alpinkletterer wie den Vorarlberger Beat Kammerlander übt sie einen besonderen Reiz aus. Spektakuläre Routen mit Namen wie „Freedom“ (Freiheit) und „Sangre de Toro“ (Stierblut) führen im oberen Bereich im zehnten Schwierigkeitsgrad bergauf.

Gewaltige Berge, ein idyllischer See, traumhafte Panoramen und die mittendrin gelegene Freiburger Hütte machen das Gebiet rund um Formarinsee und Rote Wand zum Paradies für Wanderer und andere Freizeitsportler. Seit ihrer Besteigung durch den Vorarlberger Alpin-Pionier John Sholto Douglass im Jahr 1867 gilt die Rote Wand als anspruchsvolles Wanderziel.

Die Routen können von den Alpen Laguz und Klesenza im Großen Walsertal, von der Freiburger Hütte und vom Formarinsee gestartet werden. Sie alle münden in der sehr steilen und kräfteraubenden Nordwestflanke und führen zu guter Letzt in leichter Kletterei über den Nordgrat zum Gipfel. An der Nordseite ist noch ein kleiner, fast schon zur Gänze abgeschmolzener Gletscher eingelagert.
Wer sich den Weg auf die Rote Wand nicht zutraut, der findet in der direkten Umgebung zahlreiche Alternativen – vom Spaziergang am See über leichtere Bergtouren bis hin zur Wanderung ans „Steinerne Meer“. Diese alpine Karsthochfläche bietet 200 Millionen Jahre alte Zeugnisse der maritimen Vergangenheit: versteinerte Korallenstöcke, Schalen von Muscheln, Ammoniten u.v.m. sind dort zu bewundern.